September 2025

Raues Sardinien, Menorca und das siebzehnte Bundesland
Vom nordwestlichsten Kap Siziliens, San Vito Lo Capo, wagten wir den nächsten größeren Sprung Richtung Westen, eine Nachtfahrt rüber nach Sardinien. Der Autopilot lief wieder zuverlässig, so dass ich während meiner Nachtwache entspannt ein Hörbuch hören konnte, ein Krimi, der auf Sardinien spielte. Eigentlich als Einstimmung auf unser nächstes Ziel gedacht, vergraulte er mir eher die Insel, doch dazu später mehr. Bei 30 Knoten Wind fiel der Anker vor der Südostküste, nahe dem Capo Carbonara. Der Wind wehte die ganze Zeit über recht stark und egal, welche Ankerbucht wir hier im Süden Sardiniens wählten, es blieb ein Tanz auf den Wellen. Das Anlanden an den Strand, das sogenannte Beachen, wurde regelmäßig zu einer nassen Angelegenheit. Trotz herrlicher Sandstrände und türkisfarbenen Wassers wurden wir nicht recht warm mit dieser Insel. Die schroffe Bergkulisse hier an der Südostküste, kaum Ortschaften, das hatte Gruselcharakter in Verbindung mit dem gerade gehörten Krimi, der ein dunkles Kapitel Sardiniens thematisierte. Diese unzugängliche Bergwelt war von den 70er bis zu den 2000er Jahren Schauplatz hunderter Entführungen. Da diese Insel weit weg ist vom Mutterland und staatliche Unterstützungen gegen Armut hier eigentlich nicht ankamen, hatten ganze Dorfgemeinschaften Entführungen als lukrative Einkommensquelle entdeckt, zunächst von Vieh und später dann von Menschen. Nach nur einer Woche hier und einem Zwischenstopp auf der südwestlich vorgelagerten Isola di San Pietro in Carloforte, eine wirklich angenehme Stadt, die mich mit Südsardinien fast schon wieder versöhnte, machten wir uns auf den Weg zu den Balearen, zwei Tage und zwei Nächte auf See.
Menorca, die östlichste der Balearen, kannten wir bisher noch gar nicht. Sie ist sicher nicht so spektakulär wie der große Nachbar, dafür aber sehr grün, sehr ländlich und ruhig. Sanfte grüne Hügellandschaften, durchzogen von Trockenmauern, felsige Steilküsten erinnern an Irland, allerdings wärmer und mit deutlich mehr Sonne. Mahon und Ciutadella de Menorca sind unbedingt sehenswert. Besonders in der Architektur ist das britische Erbe noch deutlich erkennbar. Nicht verwunderlich also, dass Touristen aus dem angelsächsischen Raum hier dominieren, noch vor den Deutschen.
Von der Ostküste Menorcas kommend war es nur ein Tagestörn rüber nach Mallorca, zur Ankerbucht Cala S'Agulla nördlich von Cala Ratjada. Von hier aus umrundeten wir die Insel windbedingt entgegen des Uhrzeigersinns, also quer über die große Bucht von Alcudia, mit Ankerstopp in der geschützten Bucht von Pollenca, am Kap Formentor vorbei, die Tramuntana-Gebirgsküste entlang bis ganz in den Süden. Aber trotz wunderschöner Sandbuchten mit türkisklarem Wasser wie Cala de S'Agulla, Port Vells in der großen Bucht von Palma und Es Trenc ganz im Süden oder des spektakulären Tramuntana-Gebirges, wo man den Blick gar nicht lösen konnte von den rauen Felsformationen, blieb unser Verhältnis zu Mallorca zwiespältig. In den engen Buchten tummelten sich eine Menge Boote, ganze Charterflotten, die natürlich genau wie wir diese schönen Buchten genießen wollten. Ein entspanntes Ankern war deshalb schwierig bis fast unmöglich. Tagsüber rasten noch Jetskis dazwischen und jede kleine Lücke wurde von Motorbooten okkupiert, teilweise so nah, dass ich beim Essen problemlos einen Teller an die Bootsnachbarn hätte rüberreichen können. An Land können weitere Hotel- und Appartementkomplexe hinzu gebaut werden, in den Buchten bleibt der Platz leider begrenzt. Außerdem waren recht häufig Gewitter über Mallorca angesagt, die uns wegen des Traumas von Cefalú (beschrieben im August-Beitrag) regelmäßig nervös werden und Schutz suchen ließen, an einer Boje im großen Bojenfeld vor Port Andratx oder direkt in Palma, gegenüber der Kathedrale in der Marina La Lonja - dort, wo alles begann. Hier hatten wir vor knapp vier Jahren unser Schiff bestellt. In Palma, eine wirklich schöne Stadt, konnten wir dann auch ganz alltägliche Dinge erledigen, wie z.B. zum Friseur gehen, natürlich in einen deutschen Friseursalon, "felizhair", wie der Name schon sagt. Trotz unserer Ambivalenz blieben wir fast vier Wochen in diesem "siebzehnten Bundesland". Höhepunkte, die wir besonders genossen haben, waren die Treffen hier mit Familie und Freunden. "Nach Malle fahren sie alle", die superguten Flugverbindungen tragen sicher dazu bei.














