Juli 2025

Aufbruch, Bella Italia und Stress mit dem Autopiloten

Nach einem arbeitsintensiven ersten Halbjahr 2025, das einem Jonglieren mit mehreren Bällen glich, Hausverkauf, Auflösen des kompletten Hausstandes bis auf wenige persönliche Dinge, die wir in einem Elf-Quadratmeter-Zimmer bei unserem Sohn einlagerten, Herausziehen aus allen beruflichen Verpflichtungen, mehreren Fahrten mit dem Transporter von Bremen nach Kroatien, mit und ohne Anhänger, starteten wir am 01.07. unser Leben als Liveaboards.

Letzter Stopp in Kroatien war die Insel Vis, bevor es einmal quer über die Adria nach Italien ging, nach Vieste an den Steg von Guiseppe. Die Herzlichkeit dort begeisterte uns sofort, Bella Italia pur.  Und deutlich preiswerter als im teuren Kroatien. 

Als Juwel erwies sich die südliche Küste der Halbinsel Gargano, dem sogenannten Stiefelsporn: ankern vor weißen Kalksteinfelsen in türkisfarbenem Wasser, morgens und abends schwimmen in fast leerer Ankerbucht. Weiter ging es die apulische Küste entlang über den Golf von Manfredonia, Bisceglie, Bari, Monopoli und Brindisi bis nach Otranto ganz im Süden der Adria. In Monopoli und Brindisi  konnten wir sogar kostenlos am Stadtkai liegen, weißes Segelboot vor Altstadtkulisse, eine Win-Win-Situation.

Trotz Hochsaison waren erstaunlich wenige Segelboote unterwegs.  Die italienische Adria ist eben kein Charterrevier für Segler und der Italiener bevorzugt Motorboote. Da ist es wieder, dieses Klischee vom braungebrannten Südländer in weißem Hemd, der mit seinem PS-starken Motorboot in Hochgeschwindigkeit übers Wasser brettert, Handy am Ohr, neben sich eine Bikini-Schönheit. Und es ist nicht nur ein Klischee. "Sog und Wellenschlag vermeiden", ein Mantra bei jeder deutschen Sportbootführerscheinprüfung, scheint hier unbekannt zu sein.

Die erste Nachtfahrt auf dieser Reise führte uns aus Adria heraus ins Ionische Meer, herum um Italiens südlichstes Kap Santa Maria di Leuca und quer über den Golf von Taranto nach Crotone. Abgesehen von den Fischkuttern mit ihren Schleppnetzen, die im Dunkeln mit unberechenbaren Zick-Zack-Fahrt den Seglern das Leben schwer machen, hätte es eine ruhige Nacht werden können, wenn nicht unser Autopilot beschlossen hätte, sich in unregelmäßigen Abständen selbst abzuschalten. Beim ersten Mal dieser unplanmäßigen Kursänderung schiebt man die Schuld noch auf eigene Fehler wegen Übermüdung. Bei ständigem Ausfall und wieder einem Vollkreis in völliger Dunkelheit, um dann das Schiff auf Kurs zu bringen, verzweifelt man allerdings. Nach Rücksetzen des Systems auf Werkseinstellungen, mehrfachem Kalibrieren des Autopiloten (heißt: nach Anweisung Kreise und Schlangenlinien fahren) und aller Updates bei den elektronischen Navigationsinstrumenten funktionierte er irgendwann wieder. Vielleicht lag es an irgendeinem Haken, der nicht oder der zu viel gesetzt war im Programm. Man kennt das ja.

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